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  • michael marquart

30.000

Lettland gilt als das Land der Sängerfeste. Bei organisierten Großveranstaltungen kamen vor Corona bis zu 30.000 Sängerinnen und Sänger zusammen, um gemeinsam zu singen und zu tanzen. Dabei haben alte traditionelle Volkslieder einen hohen Stellenwert. Der Gesang ist dort kulturell tief verankert, schon beinahe eine nationale Identität.


Doch nicht nur im Baltikum haben die Menschen im Allgemeinen einen positiven Bezug zum Gesang. Auch in vielen anderen Ländern wird bei Zusammenkünften und Feiern häufig zwanglos gemeinsam musiziert, gesungen und getanzt.

In Deutschland tun wir uns damit schwer. Musik wird, vor allem von jungen Leuten, auf Festivals und Events bestenfalls konsumiert. Bei privaten Feiern mal zusammen Lieder anzustimmen gilt nicht gerade als cool. Da fehlt es oftmals schon an einer Idee, was das Liedgut angeht. Und wer von uns könnte überhaupt Texte auswendig singen?


Ich habe vor Jahren einmal auf einer Hochzeit mit irischen Gästen Musik gemacht und dabei auch irische Volkslieder gespielt. Die vor allem jungen Leute standen auf den Stühlen und haben alle Strophen aus voller Kehle mitgesungen. Bei uns unvorstellbar.


Das ist schade. Singen hat etwas Befreiendes und verbindet. Der Trend zum ‚Wirtshaus-Singen‘ in den letzten Jahren ist in dem Zusammenhang zwar erfreulich, aber wahrscheinlich wohl wirklich lediglich ein Trend und vor allem nur ein Tropfen auf den heißen Stein in der Gesangs-Wüste Deutschland.


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