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Lied des Volkes

  • Autorenbild: michael marquart
    michael marquart
  • 13. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Volkslied – ein Begriff, der wie aus der Zeit gefallen wirkt. Ähnlich wie Ringlochverstärker oder Festnetz. Zumindest für die, die musikalisch nicht so tief im Detail drinstecken. Und das ist wohl die Mehrheit. Übrigens auch bei manchen, die in einem Chor singen. Vor allem bei den Jüngeren.


Ältere Chormitglieder hingegen können schon noch glänzende Augen bekommen. Da werden angenehme Gefühle wach, wenn in Gedanken schöne Chorsätze alter Volksliedklassiker von einst nachklingen. Damals gemeinsam gesungen in einer starken Gemeinschaft in einem zahlenmäßig großen Gesangverein. Das Ganze noch emotional aufgeladen mit weiteren Erinnerungen an die ‚guten alten Zeiten‘.


Wir machen sozusagen in diesem Jahr in Volkslieder. Das ist, meine ich, ausgesprochen mutig. Aus unterschiedlichen Gründen. Tiefer geblickt ist es ein überaus komplexes Thema. Dem muss man sich erstmal stellen. Im letzten Jahr erst hatten wir zeitgenössische Komponisten. Jetzt heißt es quasi die Vergangenheit aufarbeiten. Irgendwie ein krasser Gegensatz.


Da stellen sich durchaus berechtigte Fragen. Können wir mit den Texten, die aus Gefühlswelt der Menschen von damals entstanden sind, heute überhaupt noch etwas anfangen? Stirbt das klassische deutsche Volkslied gar aus? Ist es überhaupt erhaltenswert? Auch politische Aspekte spielen eine Rolle. Man denke nur an die Gleichschaltung der Chorverbände durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 und die Vereinnahmung deutscher Volkslieder für deren propagandistische Zwecke.


Heutzutage werden Volkslieder privat nur noch selten gesungen. Die Texte sind nur noch wenigen bekannt. Bestenfalls in Seniorenheimen bei uns auf dem flachen Land kommt diese Art von Liedgut noch an. Das hilft aber auch nicht, um Volkslieder attraktiv zu machen. Im Gegenteil. Und in den heute allseits beliebten Wirtshaussingen brechen auch eher Marmor, Stein und Eisen oder es wird auf der Startbahn Null Drei bei Wind Nordost abgehoben, bevor man mit dem Müller lustbetont auf Wanderschaft geht.


Unser Volkslieder-Projekt, das wir wieder gemeinsam mit den Chören der Harmonie Obernau und Liederkranz Feldkahl planen, wird unter all diesen Aspekten eine spannende und herausfordernde Sache. Im Oktober soll es soweit sein. Es braucht dann nicht nur eine möglichst optimale musikalische Darbietung der einzelnen Stücke durch die Chöre. Gefragt sind vor allem auch viel Inspiration und gute Ideen, um das Thema für das Publikum interessant zu machen. Dann kann es gelingen das 'gute alte Volkslied' in ein neues Licht zu rücken.

 
 
 

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