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  • michael marquart

Nur nix verpassen

Mit dem Singen ist das so eine Sache. Die meisten behaupten von sich, es nicht zu können. Mit diesem Argument, besser Vorwand, sind mögliche weitere Akquisitionsversuche bezüglich eines Chorbeitritts schnell abgewehrt. Das ist einfach und bequem.


Ich behaupte: Singen kann jeder. Da geht es erstmal gar nicht um richtig oder falsch, sondern, darum, dass man es überhaupt tut. Singen ist für die allermeisten erlernbar. Wer von uns könnte laufen, wenn wir uns nicht als Kleinkind getraut hätten, die ersten Schritte zu machen…? Zu Hause oder in der Schule wird leider kaum noch und immer weniger gesungen. Was nicht geübt wird, lernt man auch nicht.


Beim Singen ist es vor allem wichtig, eine Beziehung zu seiner Stimme zu finden. Natürlich unterhalten wir uns, sprechen miteinander. Mit der eigenen Stimme Töne zu produzieren ist aber etwas ganz anderes.


Aufgefallen ist mir vor wenigen Wochen am Eisenbacher Kerbwochenende beim Auftritt der Musikvereine, dass diese noch ganz gut mit jungen Leuten besetzt sind. Im Chorbereich so nicht vorstellbar. Das mag daran liegen, dass Singen etwas ganz Persönliches, ja sogar Intimes beinhaltet. Wer dagegen in einer Blaskapelle spielt, nutzt mit dem Instrument ein Medium um Musik zu erzeugen. Ein Teil der Intimität wird dadurch quasi herausgefiltert. Damit entfällt eine gewisse Hemmschwelle.


Die Stimme als Instrument hingegen ist echt und unverfälscht. Wer singt, gibt etwas von sich selbst, von seiner Persönlichkeit, preis. Ungeübt kostet das eine immens große Überwindung. Nur wenige trauen sich das.


Das scheint mir auch der wahre Grund für die verbreitete Sing-Abstinenz zu sein und nicht die oft angeführte prägende negative Erfahrung damals beim Vorsingen in der Schule. Übrigens: sogar viele langjährige Chorsängerinnen und -sänger haben mitunter ein Problem damit, richtig laut und frei heraus zu singen.


Ich wünsche jedem, eine möglichst positive Erfahrung mit seiner Stimme. Einfach mal ausprobieren, was so geht. Vielleicht zunächst mal unbeobachtet und ungehört allein zu Hause. Vielleicht auch gemeinsam mit anderen in einem Chor. Wär' doch schade, wenn man es nicht versucht und so unter Umständen sein ganzes Leben etwas ganz Tolles verpasst hätte.


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