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  • Autorenbildmichael marquart

Wieviel ist zu viel?

Welchen zeitlichen Aufwand bin ich bereit, in mein persönliches Hobby zu investieren? Ich glaube, die Bandbreite bei den Antworten geht weit auseinander. Familiäre und berufliche Situationen, damit verbunden individuelle Präferenzen und (gefühlte) Zeit-Budgets sind grundsätzlich äußerst verschieden.


Jeder, der sich einem Verein anschließt, um dort seiner Freizeitbeschäftigung nachzugehen, akzeptiert zumindest eine gewisse Regelmäßigkeit von Zusammenkünften. Allerdings: wo der eigene Verein vor Jahrzehnten noch in der Prioritätsliste ganz oben zu finden war und andere terminliche Verpflichtungen hintenangestellt worden sind, ist das heute längst nicht mehr so.


Bezogen auf Gesang- oder Musikvereine gibt es die Mitglieder, denen geht es primär um das Musikalische. Proben und Aufritte sind der Schwerpunkt. Alles andere wird als notwendiges 'Übel' empfunden. Dann ist da natürlich schon immer der Geselligkeits-Typ, der den Schoppen und die Gemeinschaft bevorzugt. Das ist in Ordnung - macht das doch immer noch einen wesentlichen Teil des Vereinslebens aus. Vom Aussterben bedroht ist allerdings die ausgeprägte ‚Macher-Spezies‘, die bedingungslos dazu bereit ist, sich immer wieder bei allen möglichen Vereinsaktivitäten zu engagieren.


Ich erinnere an die vielen Veranstaltungen, die der Sängerbund Eisenbach in den 80er und 90ern Jahr für Jahr durchgeführt hat: Theater, Kappenabend, Rosenmontagsball, Picknick, Serenade, Konzert/Liederabend, Lebende Krippe, Weihnachtsfeier. Dazu kamen noch Vereinsausflug, Ständchen, Gastauftritte… Ginge heute bei uns so nicht mehr. Das ist nicht nur eine Frage des Alters. Auch bei Jüngeren sehe ich nicht die Bereitschaft, einen so hohen zeitlichen Aufwand zu betreiben.


Staunend beobachte ich deshalb, wie es manch andere (Musik-)Vereine heute immer noch schaffen, ihre Mitglieder, neben einer eh schon hohen Auftrittsfrequenz, zusätzlich alle Jahre wieder zu tagelangen Arbeitseinsätzen zu motivieren, zum Beispiel, um das traditionelle drei-tägige Vereinsfest weiterzuführen und/oder um den Betrieb eines Vereinsheims aufrechtzuerhalten.

Wieviel Aktivität ein Verein verträgt, hängt sicher ganz spezifisch mit der gewachsenen Vereinsstruktur und dem aktuell vorhandenen Spirit zusammen. Für die Gewinnung von neuen aktiven Mitgliedern kann ein zu reges und arbeitsintensives Vereinsleben eher hinderlich sein. Auf der anderen Seite fördert eine maßvolle Geschäftigkeit auch die Gemeinschaft. Wieviel also (des Guten) zu viel ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Für die Vereinsführung ist es ein ständiger Balance-Akt, um den Bogen gerade richtig gespannt zu halten.

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