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  • Sybille Philippin

Wollen und sollen

Jetzt haben wir zunächst einmal die Resonanzräume von Brust- und Kopfstimme geortet und dann in der nächsten Einheit stimmungsvoll und lebenslustig jodelnd zwischen beiden hin- und hergewechselt und nun diese Erkenntnis: die Mischung macht´s! Das übereinander Blenden genau dieses holprigen Übergangs (das Jodeln macht aus der Not eine Tugend - genial!) ist zentraler Bestandteil einer jeden Gesangstechnik.


Ein/e Sänger*in ist sein/ihr ganzes Leben damit beschäftigt, mit diesem Übergang umzugehen. möglichst sollte es ein stufenloses Verstellen sein. Die Tonhöhen von oben nach unten oder von unten nach oben werden wie mit einem Lichtschalter, den man schieben kann, geregelt. Es gibt Menschen, bei denen ist dieser „Registerwechsel“ stärker ausgeprägt, andere wiederum sind gesegnet mit einer natürlichen „Mischung“.


Nach mittlerweile über 30 Jahren Beschäftigung mit Stimme und Gesang bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass sich in der Stimme und der persönlichen Art, auf diese Ressource zuzugreifen tiefere Zusammenhänge des Lebens offenbaren. Aus diesem Grund habe ich mir auch über das Thema dieser ‚Übergänge‘ Gedanken gemacht. Ich traue mich hier erstmals darüber zu sprechen.


Wollen und sollen begegnen dabei einander - gewissermaßen Wunschdenken und Realität. Aus dem Kopf kommt das Wollen und Wünschen. Diese Ideen und Vorstellungen treffen dann aber im Hals auf die körperliche Realität, das Machbare. Jeder gesungene Ton besitzt diese beiden Anteile in unterschiedlichen Gewichtungen.


Wir entscheiden selbst, wieviel Raum wir unserer Kopfstimme geben und wieviel Bruststimme wir zulassen. Interessant, oder? Übrigens: Männer haben etwa zwei Oktaven Bruststimme und eine Oktave Kopfstimme, während das Verhältnis bei Frauen umgekehrt ist: zwei Oktaven Kopfstimme und eine Oktave Bruststimme. Das Sprechen findet übrigens bei beiden Geschlechtern in der Bruststimme statt.


Im übertragenen Sinn: wenn man nun sein Leben so gestaltet, dass man Freude an dem hat, was eigentlich Pflicht ist, oder wenn man sich öfter soweit befreien kann, dass man einfach das tut, was man möchte, kann man vielleicht nicht zwangsläufig toll singen, hat aber ganz bestimmt an Lebensqualität gewonnen. Und wenn man beim Singen das Mischen der Stimmen übt, fällt einem vielleicht das Vereinbaren von Wollen und Sollen leichter.


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