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  • Autorenbildmichael marquart

Zeit halt o

"Zeit halt o, laaf nit so schnell, i kimm grod nimmer mit" - so lautet eine Liedzeile der Musikgruppe Luz Amoi aus dem Landkreis Freising. Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Ihnen das Lebenstempo zu schnell vorkommt? Ein gutes dreiviertel Jahr haben wir für unsere beiden Jubiläumskonzerte geprobt. Die Aufführungen waren im Verhältnis nur kurz und dafür voller Anspannung, dass alles gelingt. Der Genuss und der Nachhall im Anschluss hingegen ist relativ gering und schnell verflogen.


Für anhaltendes gegenseitiges Schulterklopfen bleibt denn auch wenig Zeit. Nach dem Motto 'Geflossenes Wasser treibt die Mühle nicht', geht es jetzt schon wieder um die Jahresplanung 2024. Früher war es in erster Linie für Unternehmen existentiell wichtig, längerfristige klare Ziele zu definieren. Längst hat sich diese berufliche Anforderung auch auf unsere Freizeitaktivitäten in den Vereinen übertragen.


Irgendwie hetzen wir so durch die Zeit, habe ich den Eindruck. Zumindest diejenigen, die dafür sorgen sollen, dass es weiter voran geht. Sich Neues ausdenken, Perspektiven und Möglichkeiten aufzeigen. Das Interesse und die Spannung bei den Mitgliedern hochhalten. In Bewegung bleiben. Es muss immer was laufen. Früher ging es nach meiner Erinnerung gemächlicher zu.


Was wär aber die Alternative? Eine Zeit lang nix tun, Pause machen? Wie lange? Und was wären die Konsequenzen?


Es war jetzt am Sonntag ein gutes Gefühl in der Eisenbacher Kirche den Gedenk-Gottesdienst für die verstorbenen Vereinsmitglieder mitzugestalten. Einfach nur so singen. Ohne großes Projekt im Hintergrund. Nur ein einfacher Auftritt. 30 Chor-Leute haben ihr Bestes gegeben. Mit Erfolg. Alle waren stolz und zufrieden, dass es gut gelungen ist.


Aber geht das eine ohne das andere? Oder bedingt sich beides? Wäre das Auftrittsfeeling in der Eisenbacher Kirche genauso gut gewesen, ohne die Gemeinschaftsleistung des Jubiläumsprojektes im Kopf? Wahrscheinlich macht es die Mischung.


Ja, wir werden einen Gang runterschalten im kommenden Jahr und dennoch aufpassen, dass wir nicht stillstehen. Stillstand ist Rückschritt heißt es zurecht. Wir werden erneut eine kleine Herausforderung finden. Und wir werden wieder mehrere einzelne Auftrittsmomente erleben dürfen, zum Beispiel bei einem Vereinsausflug, bei einer Serenade, beim einem weihnachtlichen Singen, usw.


Die Betonung liegt auf 'Momente'. Diese sollten wir bewusst wahrnehmen und genießen. Nicht zu vergessen die gemeinsamen Augenblicke in den wöchentlichen Chorproben. Gerade weil es da im Probeablauf durchaus wieder mal etwas ruhiger zugehen mag. Mit etwas Glück und vor allen Dingen Achtsamkeit kann es uns auf diese Weise gelingen zumindest ab und zu die Zeit kurz anzuhalten.

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1 Kommentar


Sybille Philippin
Sybille Philippin
22. Nov. 2023

„Der Genuss und der Nachhall im Anschluss (an unsere zwei Konzerte) ist relativ gering und schnell verflogen“ kann ich so nicht stehen lassen. Ich bin sicher, dass ich nicht die einzige bin, die nach diesen Konzerten anders in die Welt schaut. Diese Erfahrung wirkt nach, wir befinden uns in keinem Stillstand, und es gibt immernoch Wasser, was die Mühlen antreibt. Wir sind durch unsere Konzerterlebnisse näher herangerückt an die Quelle, aus der das Wasser fliesst, welches unsere (Chor)-Mühle antreibt.

Wir wurden getragen von einem gemeinsamen Entschluss, gleich einer Verschwörung und die Musik hat uns dazu beflügelt. Da gab es Momente, die man in keiner Probe üben kann, in denen ein Geist spürbar war. Für mich war es z.B. die Stelle…

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