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  • Sybille Philippin

Zwischen Himmel und Erde, Kopf und Brustregister

Es ist erst zehn Jahre her, da fand ich mich statt im Theater und auf Proben in einem Kreis von Müttern, mit Baby auf dem Schoß, beim Eltern-Kind-Singen wieder. Das war Anarchie! Und mindestens so laut wie im Theater! Eines ist mir dabei ganz krass aufgefallen: der Verlust der Kopfstimme. Es gibt ja immer eine Person, die auch Kindersingen anleitet, ob an der Gitarre, mit Akkordeon, seltener am Klavier. Und dieser Erwachsene singt meist mit Bruststimme, also der Stimme, die der Sprechlage am nächsten ist. Man hörte also eine wunderbar vitale, grundmusikalische Kinderliedersängerin an der Gitarre und ca. 30 Frauen, die ihr Bestes gaben, mitzuhalten -alles in einer tiefen Tonlage- während die Kinderchen mindestens zwei Oktaven höher ihren Unmut herausschrien. Nach sehr phonstarken 45 Minuten waren alle völlig erledigt und es begann eine riesige Kuchen-, Keks-, und Apfelschorlenversorgung. Ich weiß bis heute nicht, ob solche Zusammenkünfte der musikalischen Früherziehung dienen.


Meiner Meinung nach müssten wir den Kleinsten in einer viel höheren Lage vorsingen. Dazu sollten wir selbst erst einmal unsere Kopfstimme finden und dann noch: ihr vertrauen! Ich fordere euch herzlich dazu auf, sozusagen als Hausaufgabe, den Bereich eurer Stimme zu suchen, der mit „Kopfstimme“ gemeint ist. Stellt euch vor, ihr imitiert eine blasierte, über die Maßen vornehme Person. Oder ihr heult wie ein Wolf den Mond an, oder ihr imitiert Katzenmiauen. Das ist Kopfstimme. Wenn wir mit dieser Kopfresonanz singen, dann haben wir ein viel größeres Spektrum an Tonhöhen und Ausdrucksmöglichkeit. Weil man in der Kopfstimme schwerer Kontrolle über die Stimme hat, hat man das Gefühl, man zeigt von sich selbst zu viel. Und das ist auch der Grund, warum es populärer ist, mit Brustresonanz zu singen (dabei wäre das eher Sprechgesang, als echter Gesang): man kann sich so gut verstecken, oder?


Wenn wir eines wunderschönen Tages in Eisenbach ein Eltern-Kind-Singen anbieten, dann freue ich mich auf das Experiment, den Kindern für ihre Kehlköpfe angemessene hohe Töne vorzuschlagen und zu erleben, dass sie solche Töne nachsingen können, Melodien begreifen können anstatt zu „brummen“. Für mich ist wichtig, dass Kinder auf diese Weise mitbekommen, dass sie nicht peinlich sind, wenn sie singen. Die Peinlichkeit betrifft ja größtenteils die Kopfstimme. Das wäre ein „Ja“ zur Persönlichkeit und somit wieder eine Brücke zum „Selbstbewusstsein“.


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